VOTH – Bilder aus der Wüste

Vom 22. April bis 5. Juni 2004


VOTH – Bilder aus der Wüste

Mein Weg führte über eine von Steinen übersäte Ebene. Den Blick auf den Boden gerichtet, ging ich zwischen den Steinen hin und her. Sie klirrten unter meinen Füßen, hüpften, schlugen aneinander,rolltenund ließen aufderlehmgelben Erde helle Flecken zurück: >Sonnensteine<, scharfkantig und rau. Im Wechsel von mörderischer Hitze und Eiseskälte zersplitterten sie in winzige Teile. Auch Abschläge von Feuersteinen lagen herum. Reste von Waffen und Werkzeuge aus dem Neolitikum. Einige Splitter hob ich auf, rieb sie an meiner Wange bis sie glänzten und warf sie zurück auf den Boden. Eine fast fertig gearbeitete Pfeilspitze steckte ich in die Hosentasche. Ein brauner, faustgroßer Stein mit riffeliger Haut, aber kleiner. Steine, wohin man sah, überall Steine. Steine in allen Formen und Farben. Ich nannte sie >Ingridsteine< - flach, oval, schwarz, von weißen Marmoradern diagonal durchzogen. Andere wieder waren schiefergrau bis grünlichblau und mit ockerfarbigen Warzen besetzt. Ich sah sie schon, gefasst in Gold, zwischen Brüsten auf dunkelvioletter Seide. Kristalleragtenschräg aus demBoden,sechseckig, durchsichtig, oben zugespitzt. >Regentränen<. Sie ließen mich an Frauen denken, die unter schwarzen Schleiern weinten. Auf einer kalkweißen Fläche legen kleine, rostrote, kugelförmige Gebilde. Ich hockte mich nieder, wog sie in der Hand. Eisenhaltig schwer. Vielleicht ein Meteorit, aufgeschlagen, zerplatzt in unzählige kleine Kugeln? MeinHerzpochte. MeinganzerKörperbegannzuklopfen. >Musketenkugeln<, >Blutsteine<, blutrote >Zaubersteine<, vogelköpfig, wanzenplatt. Nomadenkinder warfen siedenZiegennach. Dunkelrote >Ziegelsteine<, rauchgrau gesprenkelt, von bläulichen Linien durchzogen. Dattelschnaps – Zungenschlag – lallend. Ich vermeinte, ein Gelächter zu hören. Nein, es war mehr ein Grunzen. Ich schreckte hoch, blieb stehen wie versteinert. Schwarze Punkte tanzten vor meinen Augen.

 

Vita

  • 1940 geboren in Bad Harzburg.
  • Zimmermannslehre in Bremervörde
  • 1961 bis 1965 Studium an der Staatlichen Kunstschule Bremen
  • Seit 1969 freier Maler und Bildhauer in München


Vita Hannsjörg Voth(Download als PDF)

Vernissage zur Ausstellung “VOTH – Bilder aus der Wüste”
am 22.04.2004

Zur Einführung sprachen:

  • Michael Kobe,
    Vorstand KUNST HALLE e. V.
  • Dr. Gerold Lettko,
    Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt
  • T. O. Immisch,
    Kustos für Fotografie in der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle,
    zum künstlerischen Werk von VOTH