Ute Pleuger – Annette Schröter

Vom 3. November bis 17. Dezember 2000

Zwei Malerinnen im Widerspruch

Gegensätzlicher können die Bilder der beiden in dieser Ausstellung gezeigten Künstlerinnen kaum sein. Annette Schröter schwelgt bei ihren Ölbildern in Farben; der gesamte Raum ist erfüllt von diesem typischen Duft der Kunst. Die von der Malerin in Aktion beim Turnen festgehaltenen Kinder wirken überaus lebendig. Dagegen nimmt sich Ute Pleuger bei den menschenleeren Darstellungen von Häusern und Schluchten deutlich zurück und bietet dafür eine ungeheure Ruhe und Gelassenheit.

Ute Pleuger studierte von 1977 bis 1983 an der Hochschule der Künste Berlin Bildende Kunst bei Prof. Shinkichi Tajiri und Prof. Marwan, dessen Meisterschülerin sie war. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Paris kehrte sie 1986 nach Berlin (West) zurück, wo sie freischaffend tätig war. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, darunter den Preis des DAAD, den Förderpreis des Kulturkreises im BDI, den Grafikpreis „Linolschnitt heute“ sowie Arbeitsstipendien des Berliner Senats. Nach mehrjähriger Lehrtätigkeit an der Hochschule der Künste Berlin erhielt sie 1999 den Ruf auf eine Professur an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle und leitet hier seitdem das Fachgebiet Malerei.

Annette Schröter studierte von 1972 bis 1982 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Malerei bei Prof. Bernhard Heisig. 1985 verliess sie zusammen mit ihrem Mann, dem Fotografen Erasmus Schröter, die DDR. In den folgenden zwölf Jahren arbeitete sie freischaffend in Hamburg. Im Rahmen ihrer umfangreichen Ausstellungstätigkeit ist sie regelmäßig auf der Art Cologne und der Art Frankfurt vertreten. 1992 war sie Gastprofessorin für Malerei an der Hamburger Sommerakademie Pentiment. 1997 kehrte sie nach Leipzig zurück und leitet von 1999 bis 2001 als Gastprofessorin eine Klasse für Malerei an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle.

Zum ersten Mal werden in Halle (Saale) Arbeiten der beiden Künstlerinnen gezeigt: großformatige Malerei, Arbeiten auf Papier und Drucke, alles aus den letzten Jahren. Im Obergeschoß der Villa Kobe hängen die farbenfreudigen Bilder von Annette Schröter, im Erdgeschoß die eher systematischen Arbeiten von Ute Pleuger. Mit dieser Doppelausstellung eröffnete der neu gegründete Kunstverein KUNST HALLE e. V. sein Ausstellungsprogramm in der Kunsthalle Villa Kobe in Halle an der Saale. Diese Ausstellung wurde vom Land Sachsen-Anhalt (Regierungspräsidium Halle) und den Stadtwerken Halle GmbH unterstützt.

Dr. Ronald Kunze KUNST HALLE e. V.

 

Imaginäre Weite

Scheinbar unendliche Gebäude zeigen malerische Fassaden in den Bildern von Ute Pleuger um das Jahr 1990. Über weite Landschaft schweift der Blick. Des Betrachters in ihren Bildern aus dem Jahr 1998; es entsteht der Eindruck eines gleichförmigen, übermächtigen und ausweglosen Raumes.

Scheinbar über die endlosen, nächtlichen Straßenschluchten hinweg wandert der Betrachter nun – die Enge ist spürbar. Doch erlaubt die Sichtweise eine Über-Schau: Weite und Einsamkeit, Dichte und Anwesenheit gleichermaßen intendierend. Mich überrascht immer wieder diese Außen-Sicht der stets menschenlosen, aber wohl doch durch Zeichen menschlichen Wirkens markierten Landschaften. Eine Fern-Sicht erlaubt Nah-Sicht. Paradoxon der Bilder ist die Verhältnismäßigkeit – wunderbarerweise werden „schwarze Boxen“ zu Großstadthäusern, geometrische Hell-Dunkel, Wechsel zu Gebäuden und Fassaden, Figur und Grund, Grund und Figur zu los angelesken Vorstadtsiedlungen. Mir scheint, als ob Ute Pleuger in Schritten zu immer größerer Vereinfachung den kleinsten Nenner der Zivilisation zu ergründen suchte.

Ich freue mich, dass Ute Pleuger ihre Bilder in der Kunsthalle Villa Kobe erstmalig in der Nähe ihrer heutigen Wirkungsstätte an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle zeigt. Sie eröffnet hiermit das Ausstellungsprogramm von KUNST HALLE e. V.

Dagmar Schmidt KUNST HALLE e. V. Vorsitzende des Künstlerischen Beirats

 

Vita Ute Pleuger (Download als PDF) Vita Annette Schröter (Download als PDF)

Vernissage zur Ausstellung “Zwei Malerinnen im Widerspruch”
am 23.11.2000

Zur Einführung sprachen:

  • Michael Kobe,
    KUNST HALLE e.V.
  • Peter Lang,
    Kunstwissenschaftler, Berlin
    zum künstlerischen Werk der beiden Künstlerinnen