Reisefreiheit – Christian Kromath | Roland Kronschnabl

Vom 30. September bis 24. Oktober 2004


Reisefreiheit – Zwei Positionen

Zeitgleich zur Ausstellung der beiden sachsen-anhaltinischen Preisträger des Helen-Abbott-Förderpreises präsentiert die Kunsthalle Villa Kobe zwei Positionen junger Kunst aus dem Raum München. Hierzu ein paar Worte zum Hintergrund: KUNST HALLE e. V. bemüht sich um den kulturellen Austausch, um die Vernetzung von Institutionen im Bereich der bildenden Kunst. Zufälligerweise stießen wir in München auf den Verein „Junge Kunst e. V.“, der es sich zum Ziel gesetzt hat, kulturelle Aktivitäten in Halle an der Saale zu fördern – allerdings auf dem Gebiet der Musik. Trotz dieser inhaltlich parallelen Aktivitäten ergab sich dennoch eine fruchtbare Zusammenarbeit über Michael Hasenclever, Mitglied des Vorstands von Junge Kunst e. V. und zugleich Galerist in München.

Die für die Ausstellung gewählte Überschrift „Reisefreiheit“ verdeutlicht persiflierend das Besondere des Gewöhnlichen. Reisen kann man seit inzwischen 15 Jahren völlig frei, allein begrenzt durch die persönlichen Möglichkeiten. Und dennoch ist der kulturelle Austausch nach wie vor begrenzt. Das Ergebnis der vor diesem eher zufälligen Hintergrund entstandenen kulturellen Vernetzung ist die Ausstellung zweier Künstler, die man trotz ihres Alters etwa Anfang Vierzig noch als junge Künstler betrachten kann. Beide vertreten ganz unterschiedliche Positionen.

Der als Architekt ausgebildete und in München lebende Roland Kronschnabl definiert in seinen Arbeiten alles recht genau: Architektur, archäologische Betrachtungen, Naturstudium. Trotz erkennbarer Unterschiede haben seine Bilder eine strukturelle Ähnlichkeit; der Künstler arbeitet mit einer für ihn typischen Formensprache. Seine Bilder sind Bildarchitekturen, die wie ein architektonischer Bau von der nahezu schwerelosen Umhüllung von Öffnungen, Durchbrüchen und Hohlräumen leben. Wie Blicke in die Vergangenheiten und Zukünfte zugleich, Blicke in Ruinen und in Pläne und Projekte noch nicht existierender Räume. Sie bilden nichts Existierendes ab, sondern bauen ihre eigenen Räume, die einerseits den Blick abschirmen und ihn zugleich durch ganze Kaskaden von Durchbrüchen und Öffnungen in sich eindringen lassen. Wesentlicher als alle perspektivische Ordnung sind Öffnungen, sind Durchbrüche für die Architektur. Man kann Gebäude als eine geradezu schwerelose Umhüllung von Hohlräumen und Öffnungen sehen.

Auch der an der Kunsthochschule in München als Kunsterzieher ausgebildete und heute in Köln als freischaffender Künstler lebende Christian Kromath arbeitet mit Spuren der Wahrnehmung, verwischt diese aber wieder und legt gleichsam einen Schleier über seine Arbeiten. Entsprechend haben die Bilder auch oft keinen definierten Titel. Der Betrachter mag in seinen Augen einen greifbaren Inhalt zu sehen glauben, für den Künstler bleibt es oft bei „o. T.“ Das Besondere an seinen Arbeiten ist ihre Vielschichtigkeit. Dem Betrachter eröffnet sich eine komplette Welt von Überlagerungen, wodurch räumliche Vorstellungen von Tiefe und Nähe geschaffen werden. Pastose Farbblöcke überdecken durchscheinende, zurückhaltende Bildteile. Eindeutigkeit ist nicht seine Welt. Schnelle Vereinnahmungen lassen seine Bilder nicht zu. Trotz der Inszenierung von Widersprüchlichkeit und Ungeradlinigem bestechen die Bilder durch ihre Sinnlichkeit und Stimmigkeit. Es geht immer um die einzelne Arbeit, Reihungen gibt es nicht.

Dr. Ronald Kunze KUNST HALLE e. V.

 

Vita Christian Kromath (Download als PDF)
Vita Roland Kronschnabl (Download als PDF)

Vernissage zur Ausstellung “Reisefreiheit”
am 30.09.2004

Zur Einführung sprach:

  • Dr. Jens-Holger Göttner,
    KUNST HALLE e.V.