Hans Salentin – Peter Reichenberger

Vom 2. Juni bis 3. Juli 2005


Hans Salentin

Die Kunsthalle Villa Kobe präsentiert Bilder, Zeichnungen, Collagen, Skulpturen und Reliefs der letzten 48 Jahre von Hans Salentin, einem der wichtigen Objektkünstler der Gegenwart. Zu den Objekten gleichgewichtig hat Hans Salentin vermittels analoger Verfahren wie bei seinen Plastiken ein umfangreiches Werk an Bildern entwickelt.

Salentins entscheidendes Prinzip, das er seit Ende der 50er Jahre in immer neuen Varianten verwendet, ist die Veränderung des Objekt trouvé zum Objekt corrigé. Hans Salentin geht von Fundstücken aus, von Formteilen aus dem Maschinenbau oder bei den Bildern von Collagenschnipseln, von Abbildungen aus Technik-Zeitschriften und Lifestyle-Magazinen. Er überarbeitet diese Vorlagen, färbt sie ein oder überzeichnet sie. Der Ausgangspunkt bleibt dabei immer noch erkennbar. Nachdem in Salentins Werk über Jahre hinweg Fahrzeuge und technische Apparaturen im Vordergrund standen, setzt zu Beginn der 90er Jahre die Arbeit an den ,,Frauenbildern’ (überarbeitete Collagen, teils durch Projektion vergrößert) ein; die seitherigen Motive werden jedoch nicht aufgegeben.

In den 60er und 70er Jahren erlangte Salentin internationales Renommee mit Objekten aus Aluminiumgussteilen, die an Gefährte aus der science fiction erinnerten. Von Mitte der 70er Jahre an hat er die plastische Arbeit vollständig eingestellt und erst seit 1994/95 kommt er zunächst mit Styropor, dann mit Kartonagen und inzwischen mit Metall-Formteilen über früheren Bildern und Fotomontagen zum dreidimensionalen Gestalten zurück. In der Ausstellung zu sehen sind vorwiegend frühe und aktuelle plastische Werke, die in der Mehrzahl als Wandarbeiten vorliegen.

Hans Salentin lebt heute zurückgezogen in Köln. Geboren 1925 in Düren studiert er in den 50er Jahren an der Düsseldorfer Akademie. Mit Heinz Mack und Otto Piene gehört er zu den Gründern von ZERO, geht aber bald einen eigenen Weg, für den der Wechsel der Materialien und das Experiment kennzeichnend bleiben; so entstehen auch Fotoarbeiten, Gemälde und Xerographien. Wichtige Einzelausstellungen fanden u. a. in der Kunsthalle Köln, den Museen in Nürnberg, Witten und Düren statt; Salentin ist an der documenta VI in Kassel beteiligt. Zur Retrospektive 1990 im Kölnischen Kunstverein ist eine umfangreiche Monographie erschienen.

Thomas Hirsch

 

Peter Reichenberger

Seit undenklichen Zeiten ist die „Handschrift“ des Künstlers, die unverwechselbare Eigenart der Zeichensetzung, ein Topos kunstgeschichtlicher Bewertungs- und Einordnungskriterien. Ihr dankt man Zuschreibungsmöglichkeiten, und sie gibt jene auratischen Weihen, die ein Kunstwerk unverwechselbar und mithin wertvoll, ja unwiederbringlich machen.

Gerade bestimmte Kunstformen des 20. Jahrhunderts wie Action Painting und Informel haben diesen subjektiven Aspekt malerischer Anwendungsformen derartig in den Vordergrund gestellt, dass man getrost von einer Thematisierung des Malprozesses sprechen kann: Der Künstler bringt den Bewegungsgestus ein, der Betrachter kann ihn nachvollziehen.

Einen höchst individuellen Beitrag in diesem Kontext leistet Peter Reichenberger mit seinen aus Abdrücken von Handteller oder Fingerkuppen gefertigten „Gemälden“. Die individuelle Textur der Hand- und Fingerflächen mit den feinen, nichtsdestoweniger aber markanten Mikrostrukturen der Haut reiht er durch das wohl elementarste Stempelverfahren, das in der zivilisierten Welt bekannt ist, zu zum Teil sehr großflächigen Strukturen aus Farbe. Die zeilige Anordnung rhythmisiert er zusätzlich durch Versatz und erzielt durch farbige Verdichtungen changierende Abweichungen und subtile Übergänge. Die auf den ersten Blick amorphe, weil leibliche Struktur des „Stempels“, die eher vegetabile Formen erwarten lässt, wird durch die Choreographie der strengen Anordnung gebändigt.

Den zufälligen, auf organisches Wachstum basierenden „Hautpattern“ wird ein „Auf-führungsrahmen“ zugeordnet, der Halt verleiht und die chromatischen Abfolgen regle-mentiert.

Dass Farbe und Naturform sich einem allzu strengen Reglement zu entziehen wissen, steht dazu nicht im Widerspruch. Widersprüchlich allerdings ist, dass die größtmögliche Form von Subjektivität, nämlich der Abdruck der eigenen Fingerkuppe bzw. des Handtellers, durch das schichtweise Übereinanderstempeln zu einem Höchstmaß an Objektivität führt. Das Ich wird sozusagen zum Wir. Es bleibt einzig dem Bildgrund verhaftet. Reichenberger ist also weder Narziß noch Selbstentblößer. Was er uns vor Augen hält, ist eine besondere Art von Menschenbild, anonym und individuell zugleich.

Die feinen, verschlungenen Liniengespinste der Haut, die als lineare Setzungen den Blick gefangen nehmen und ihn in mäandrig verschlungene Kurvaturen „entführen“, bauen ebenfalls virtuelle Raumbezüge auf und lassen die de facto plane Fläche vergessen.

Christiane Vielhaber

 

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Vernissage zur Ausstellung “Hans Salentin – Peter Reichenberger”
am 02.06.2005

Zur Einführung sprachen:

  • Cornelia Pieper,
    Mitglied des Deutschen Bundestages, Halle (Saale)
  • Albert Udo Stappert, Essen,
    über das Prinzip Collage im Werk von Hans Salentin
  • Dr. Ralf-P. Seippel Köln,
    zum künstlerischen Werk von Peter Reichenberger