(EX)POSITIONEN

Vom 10. Mai bis 16. Juni 2001

(EX)POSITIONEN –
Künstlersymposion 2000 in der Ziegelei Hundisburg

Nach Internationaler Fotografie im Februar und Skulpturen von Christoph Bergmann folgt jetzt eine Ausstellung mit erkennbarem regionalen Bezug. Acht Künstler und Künstlerinnen aus Halle (2), Sachsen (3), Köln (2) und Belgien zeigen aktuelle Werke: Keramik und Bilder, Metall und Fotografie.

Gemeinsame Klammer dieser acht Künstler sind die 7. Werkstattwochen in der Ziegelei Hundisburg im Juni 2000; hier hatten die Künstler bei Förderung durch das Land Sachsen-Anhalt und den Landkreis Haldensleben Gelegenheit, mit dem speziellen TON von Hundisburg zu arbeiten. Bei brütender Hitze wurde in den Werkstattwochen mit dem weichen Ton der Region hart gearbeitet; nur das leise Knacken der Kronenkorken wirkte als erfrischende Unterbrechung dieses künstlerischen Prozesses und führte zugleich zu neuen Ideen.

Die unmittelbaren Ergebnisse des Symposions wurden im September 2000 beim Kunstverein Röderhof im Huy erstmals präsentiert. Damals reifte die Idee heran, nach dem Erscheinen des Katalogs diese Werke auch in Halle, also der Kulturhauptstadt des Landes Sachsen-Anhalt, in der Villa Kobe zu zeigen.

Inzwischen ist fast ein Jahr vergangen, der Katalog ist heute fertig und die Ausstellung steht hier – allerdings ganz anders als im Röderhof. Die teils erst in diesem Jahr entstandenen Ergänzungen machen aus der Werkschau unmittelbar nach dem Symposion eine abgerundete Kunstausstellung.

Dr. Ronald Kunze

 

Teilnehmende Künstler

  • Hagen Bäcker
  • Johan Creten
  • Frieder Heinze
  • Henry Puchert
  • Ingrid Roschek
  • Claudia Rückert
  • Dagmar Schmidt
  • sowie Werke von Heinz Breloh (verstorben 2001).

Vernissage zur Ausstellung “(EX)POSITIONEN”
am 10.05.2001

Zur Einführung sprachen:

  • Dr. Ronald Kunze
    KUNST HALLE e.V.
  • Uwe Jens Gellner (Kurator)
    Kloster unserer lieben Frauen, Magdeburg

Einleitung

Ein Kunstwerk beginnt mit dem Material. Diese Feststellung verwundert vielleicht weniger, wenn man sich die Vielzahl der verschiedensten Natur- und Industriematerialien, die uns in Ausstellungen der Gegenwartskunst begegnen, vor Augen führt. Die Entscheidung über das Material bedingt und beeinflusst die Methoden seiner Bearbeitung, und es weckt die Erwartung für spezielle eigensprachliche Ausdrucksweisen. Das lässt sich über die neuen Materialien feststellen, die noch als ungewöhnlich gelten, wie ebenso über die bekannten alten und zum festen Bestand unserer Kultur gehörenden Materialien, wie die Keramik, die seit Alters her unsere ästhetische Wahrnehmung prägen. Schließlich hält auch die Theorie noch immer daran fest, Kunstwerke u.a. nach materialtechnischen Kriterien einzuordnen. Ganz gleich, wie begründet sich der Anteil des Materials an der Bedeutung eines Kunstwerkes im einzelnen bewerten lässt, so ist er doch unabänderlich gegeben.

Komplizierter liegen die Dinge, will man den Einfluss benennen, den die Kunst in der Gegenwart aus ihrem sozialen Umfeld empfängt. Künstler arbeiten in den meisten Fällen allein. Das war nicht immer so. Die Kunstgeschichte verweist auf das Verbindliche von Gemeinschaften durch die Benennung von Werkstätten und sog. Schulen. Und noch bis ins 19. Jahrhundert standen erfolgreich Künstler nicht selten in der Art eines Meisters stilgebend einem Werkstattbetrieb vor, wie es im Handwerk noch bis heute die Regel ist. Unter verändertem Vorzeichen kommt es zu Beginn der Moderne zur Bildung einer Reihe von Künstlergruppen. Allerdings hält die Idee der Gemeinsamkeit oft nur für einen befristeten Zeitraum der gegenseitigen Stärkung gegenüber Konvention und Tradition in Kunst und Gesellschaft, bevor das Individuelle und Autonome, die Grundidee der Kunst der Moderne, solche Gemeinschaften wieder zerfallen lässt. An dieser Stelle setzt die Idee der Künstlersymposien an, als Erfolg versprechende Methode, sowohl Individualität als auch gegenseitigen Austausch unter günstigen Arbeitsbedingungen in zeitweiliger Gemeinschaft zu befördern. Sie bereiten das soziale Umfeld, um die technologischen Hürden des Materials und seiner Verarbeitung gezielt zu bewältigen, gegenseitig Erfahrungen auszutauschen und die Umsetzung speziell verabredeter künstlerischer Überlegungen zu ermöglichen.

Die Einladung zu den 7. Werkstattwochen TERRA ARTE in der Ziegelei Hundisburg sucht die Verbindung von verschiedenen Standorten herzustellen. Sie berücksichtigt deshalb auch Teilnehmer, die bisher keine oder nur wenig Erfahrung mit den kunsthandwerklichen Gegebenheiten der Modellierung von Ton besaßen, und deren Schaffen sich nicht in das Feld verbreiteter Künstlerkeramik einbindet. Das Material Ton lieferte somit den gemeinsamen Ansporn und Ausgangspunkt. Das beruht auf der Annahme, dass ein bestimmtes Material als Auslöser für die Entstehung von Kunstwerken so lange wichtig sein kann, wie sich Interesse und Unbefangenkeit gegenüber Unkenntnis und Routine behaupten. Die Fähigkeit von Ton, alle Bewegungen der Hände unmittelbar anzunehmen und zu speichern, trug die gemeinsamen Erwartungen, die zusätzlich von der Nutzung des Zick-zack-Ofens der Hundisburger Ziegelei beflügelt wurden, der mit seinen ungewöhnlich geräumigen Brennkammern auch das Versprechen für den Brand größerer plastischer Werke enthielt. Die inhaltliche Klammer der Werkstattwochen wurde nicht nach einer thematischen Übereinkunft gesucht, da die Ergebnisse auch nicht auf eine gemeinsame Absicht, auf einen inhaltlichen Rahmen oder Verwendungszweck zielen. Gemeinsamkeiten stiftete der Enthusiasmus einer mehrwöchigen Arbeitsatmosphäre, in der sich die Impulse aus den verschiedenen Biografien der beteiligten Künstler begegnen und womöglich überschneiden konnten.

Uwe Jens Gellner