Daniel Spoerri

Vom 21. Oktober 2001 bis 16. Dezember 2001


Zum Künstler Daniel Spoerri

Daniel Spoerri wurde 1930 in Rumänien als Daniel Feinstein geboren, flüchtete 1942 mit seiner Mutter Lydia Feinstein-Spoerri in die Schweiz; die Familie nimmt den Namen der Mutter an. Daniel Spoerri fand auf Umwegen zur Kunst. Seine ersten Versuche galten der Poesie und dem Tanz, die bereits auf sein späteres bildnerisches Schaffen hinweisen. In den Fünfziger Jahren entdeckte er durch die Arbeit als Tänzer am Stadttheater Bern und Regisseur seine Vorliebe und Begabung für Inszenierungen (Ionesco, Picasso, Tardieu).

Als Autodidakt in Paris näherte er sich der bildenden Kunst. Sein großes Interesse für Raum und Bewegung lenkte seine Aufmerksamkeit früh auf kinetisches Kunstschaffen. Bereits 1959 gründete er die Edition MAT, die auf die Idee der Multiplikation von veränderbarer Kunst zurückgeht und seine Künstlerfreunde als Beteiligte miteinschloss, allen voran Karl Gerstner, Dieter Roth, Jean Tinguely, Marcel Duchamp. Einen ersten gültigen Ausdruck als bildender Künstler fand er 1959/60 im Fallenbild (Tableau-piège): eine zufällig gefundene Situation von Gegenständen, die er auf ihrer Unterlage befestigte und als Bild an die Wand hängte.

Ausgehend vom Fallenbild entstanden, basierend auf dem Prinzip der Assemblage, neue Werkzyklen wie zum Beispiel das Détrompe-l’oeil.

Aufsehen erregte Spoerri mit Eat-Art und seinen berühmten Banketten, den Ethnosynkretismen, Corps en morceaux, dem Carnaval des Animaux oder dem Musée sentimental. Die Themenkreise werfen aber stets auch existentielle Fragen auf und dokumentieren die Auseinandersetzung mit seiner Zeit.

Ausgehend von banalen Fundobjekten und ihrer Herkunft schafft Spoerri in vom Zufall gelenkten Assemblagen und Inszenierungen neue ironische und subversive Welten. Als „Metteur en scène d‘objets“ transponiert er den Alltag zu Kunst und bringt die Kunst in den Alltag.

Die Grenzen zwischen Kunst und Leben werden verwischt, ein Axiom der Pariser Künstlergeneration der „Nouveaux Réalistes“, denen Spoerri als Gründungsmitglied angehörte. Dies verbindet ihn auch mit Jean Tinguely. Als Freund noch vor den ersten Pariser Jahren ist er zu einem intimen Zeugen von Tinguelys Schaffen geworden, nach seinen Worten: „wer mich kennt, kann sich vorstellen, dass es mir eine grosse Freude bereitet, mein Werk neben das seine zu stellen; – hat doch unsere Freundschaft schon 1949 begonnen und steht sie doch in dialektischem Widerspruch: hier Fixierung, dort Bewegung – und darum sich bedingend.“

Seit zehn Jahren lebt Daniel Spoerri in der Toskana und arbeitet in Seggiano an dem Skulpturenpark „Il Giardino“, der dem Publikum zugänglich ist. Die Natur selbst wird hier zur Bühne für seine Installationen und erfährt durch das Zusammenspiel eine Neubestimmung.

 

Vita Daniel Spoerri (Download als PDF)

Vernissage zur Ausstellung “Daniel Spoerri”
am 21.10.2001

Zur Einführung sprachen:

  • Michael Kobe,
    KUNST HALLE e.V.
  • Dr. Gerd Harms,
    Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt